Denkmalpflege in der DDR – Ansprüche und Möglichkeiten

Denkmalpflege in der DDR – Ansprüche und Möglichkeiten.

Ein unterhaltsamer Abendvortrag mit Dr. Peter Goralczyk
im Gästehaus Wolfshagen
am 29. Oktober 2010 um 18.00 Uhr

EINLADUNG

Denkmalpflege in der DDR – ein spannungsreiches Thema, könnte man meinen, da der DDR oft Tatenlosigkeit und selektive Denkmalpflege vorgeworfen wurde. Das ist aber nur die halbe Wahr-heit, denn seit ihrem Bestehen hat sich auch die staatliche Denkmalpflege der DDR mit ihren Mitarbeitern in den verschiedenen Instituten und Arbeitsstellen sehr wohl für die Erhaltung und Pflege und natürlich auch der Erforschung der Denkmallandschaft eingesetzt. Daß dies in der DDR unter ganz anderen politischen und ökonomischen Voraussetzungen, als in anderen westlichen Ländern, speziell in Westdeutschland, möglich war, steht außer Frage. Trotz aller ideologischen Vorgaben und Vorbehalte und natürlich trotz enormer wirtschaftlicher Zwänge, gab es hierzulande ein Bewußtsein für Denkmalpflege und viele Anstrengungen, historische Bauwerke zu erhalten und sie für eine neue Nutzung herzurichten, oft auch im Kontext zu städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen. Vorbildlich und auf hohem Niveau stehend darf man die Gesetzgebung in dieser Hinsicht nennen. Das Denkmalschutzgesetz der DDR war durchaus progressiv und modern.

Bei aller Kritik, die heute an der Denkmalpolitik der DDR und ihren Defiziten gelegentlich laut wird, darf man aber die Leistungen auf diesem Gebiet nicht vergessen, ebensowenig, die Rahmen-bedingungen, unter denen sie dennoch verwirklicht werden konnten. Wie kaum ein anderer Landstrich Deutschlands, litt vor allem der Großraum Berlin unter verheerenden Kriegsschäden. Viele bedeutende Städte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR erlitten noch in den letzten Kriegs-monaten schwerste Zerstörungen durch Bombardements vor allem der anglo-amerikanischen Luftwaffe. Kriegsfolgen, die Folgen der Bodenreform und das Siedlungsprogramm für die heimat-los gewordenen ostdeutschen Vertriebenen bedeuteten in der Konsequenz auch enorme Herausforderungen für die Denkmalpflege. „Ansprüche und Möglichkeiten“ – das sind auch für die heutige Denkmalpflege zwei diametrale Schlagworte, die durchaus auch in unserer modernen Welt, in dem wirtschaftlich reichen vereinigten Deutschland immer noch Grenzen aufzeigen, die den Ansprüchen an moderner Denkmalpoli-tik durch gesellschaftspolitische und vor allem monetäre Zwänge gesetzt sind. Wie kein anderer vermag es insbesondere Dr. Peter Goralczyk, über die Denkmalpflege und Denkmalpolitik in der DDR sachlich und ohne Bitterkeit zu urteilen und über ihre Ansprüche
und Möglichkeiten zu refe-rieren, war er doch von 1987 bis 1990 der letzte Generalkonservator der DDR. Jahrgang 1936 und in Berlin aufgewachsen, absolvierte er dann das Studium der Kunstgeschichte an der Berliner Humboldt–Universität und anschließend das Studium der Architektur an der Technischen Uni-versität in Dresden. Seit 1965 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Denkmalpflege der DDR, das seinen Sitz in dem schönen barocken Stadthaus des Berliner Verlegers Friedrich Nicolai in der Brüderstraße im Zentrum der Hauptstadt hatte. Ab 1975 war Dr. Goralczyk Leiter der Arbeitsstelle für die Bezirke Potsdam und Frankfurt/Oder, später auch Berlin (Ost). Von 1987 bis 1990 bekleidete er dann das Amt des Generalkonservators, das mit Begründung der Länder im Oktober 1990 und der Bildung der verschiedenen Landesdenkmalämter abgeschafft wurde. Lei-denschaftlichen Anteil nahm Dr. Peter Goralczyk an dem Wiederaufbau und der Neugestaltung des Berliner Gendarmenmarktes. Dieser wohl berühmteste Platz der Hauptstadt war auch Thema seiner Dissertation: die Baugeschichte des Gendarmenmarktes in Berlin.

Von 1990 bis 2001 war Dr. Goralczyk dann Mitarbeiter im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum, zunächst als Gebietsbearbeiter (u. a. für die Prignitz) und schließlich seit 1994 als Leiter der Abteilung Bestandsforschung. In den ersten Jahren nach der Wende hatte Dr. Peter Goralczyk als Gebietsbearbeiter des Landesdenkmalamtes einen wichtigen Anteil an den damals wichtigsten denkmalpflegerischen Großvorhaben: Rettung und schrittweise Restaurierung der Plattenburg, Umnutzung und Restaurierung vieler Herrenhäuser (bes. Neuhausen) und Beginn einer zielstrebigen behutsamen Kirchenrestaurierung in Stadt und Land. Viele inzwischen abgeschlossene Bauvorhaben in der Prignitz tragen auch seine Handschrift und er war allen Beteiligten, Kreisdenkmalpflegern und Pastoren vor Ort, den Kommunen und den unterschiedlichsten Denkmaleigentümern immer ein behutsamer und ausgleichender Ratgeber. Auch die großen Restaurierungsvorhaben an den Schlössern in Wolfshagen, Meyenburg und Demerthin hat er engagiert begleitet.

Als Pensionär widmete er sich ab 2001 insbesondere der Mitarbeit bei der weiteren Restaurierung des Schlosses Meyenburg (2006 abgeschlossen) in der Prignitz. Wesentliche Arbeiten leistete er im Rahmen der Bauforschung und Dokumentation seither auch in Mühlberg am ehemaligen Kloster Marienstern am Westflügel und am Propsteigebäude. Baugeschichtliche Untersuchungen am Lubwartturm in Bad Liebenwerda, am Schloß in Lieberose, am Rathaus in Mühlberg und am Schloß in Doberlug markieren seinen „unruhigen“ Ruhestand als Denkmalpfleger. frei). Zur Zeit ist im Gästehaus Wolfshagen noch bis Jahresende eine Werkausstellung mit Zeichnungen seines Vaters, Herbert Goralczyk (1904-1981), zu sehen, der 1921-1927 an der Breslauer Kunstakademie studiert hatte und zuletzt von 1960 bis 1981 als Szenenbildner beim Fernsehen der DDR gearbeitet hat.

Dem Vortrag schließt sich eine lockere Diskussionsrunde an, die von Torsten Foelsch, der von 1990 bis 2005 selbst als Mitarbeiter in der unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Prignitz tätig war, moderiert wird. Im Anschluß an die Veranstaltung kann man den Abend mit einem guten Essen und einem edlen Wein im Gästehaus Wolfshagen ausklingen lassen. Anmeldungen bzw. Tisch- oder auch Zimmer-Reservierungen zu der Veranstaltung sind erbeten (Eintritt ist frei).

Torsten Foelsch

Photo, T. Foelsch: Schloß Meyenburg in der Prignitz, 2010.
Wirkungsstätte von Dr. Peter Goralczyk im Rahmen baubegleitender
Bauforschung.